writingfriday
#WritingFriday

Writing Friday – Karfreitag

WritingFriday ist eine Aktion von readbooksandfallinlove. Jeden Monat stellt  Elizzy uns Bloggern, die mitmachen möchten  5 Aufgaben. Die Vorgaben hierzu sind ganz einfach

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Auf ihrer Seite findet ihr die Links zu den Blogs, die an dieser Aktion teilnehmen.

Dies sind die Themen für den März 2018 – die Reihenfolge ist dabei egal – WritingFriday Aufgaben:

  • Ferdinand Friedrich läuft im Jahr 2073 über die Frankfurter Buchmesse und schreibt von dort seiner Frau Martha eine Postkarte
  • Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.
  • Beschreibe Gesicht und Gestik eines Menschen, den du liebst.
  • Schreibe den Anfang einer Geschichte, die mit dem Satz beginnt: Natürlich hätte man längst wissen können, dass Maja nicht die Wahrheit sagte.
  • Schreibe eine Liebeserklärung an dein erstes Fahrrad / Auto.

Es bleibt mir dieses Mal nur noch eine Aufgabe für meinen Writing Friday  am Karfreitag,

der mit einem Tag Verspätung erscheint, weil ich gestern den ganzen Tag tollen Besuch hatte.

 

Du lebst als Obdachloser auf der Strasse. Beschreibe deinen Blick auf die Menschen, die vorbeigehen.

 

Ich sitze hier auf meiner karierten und geflickten Decke. Neben mir liegen meine Fellnasen, die ich über alles liebe und die mir immer treu zur Seite stehen. Ich zweige jeden Cent ab, damit es beiden gut geht. Auch gehe ich jeden Tag mit ihnen in die Grünanlagen und die Wiesen am Fluss, damit sie genug Auslauf bekommen. Jeden Tag bürste ich sie und gebe ihnen zu fressen.

Sie danken es mir mit Liebe und Treue, die sich nicht nur in ihren Augen widerspiegelt. Ja, bei meinen Tieren sehe ich diese Liebe und uneingeschränktes Vertrauen. Aber sobald ich hoch blicke und in die Augen der vorüber gehenden Menschen blicke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ich sehe Hass und Ekel, teilweise – sogar sehr oft – wird der Blick abgewandt. Ich kann förmlich die Gedanken hören. Aber das ist nicht nötig, denn ich sehe es an der Mimik und Gestik der Menschen. Ab und zu gibt es auch Ausnahmen, aber die sind eher selten und dann bin ich dankbar für jedes Lächeln und jedes nette Wort. Natürlich bekomme ich vom Staat Geld, aber ich möchte meinen Hunden etwas bieten, daher sitze ich hier und bettle. Es gefällt mir nicht, aber es ist leider oft ein Kreislauf, aus dem man nicht mehr so einfach herauskommt.

Die Menschen, die ich anlächle und die zurück lächeln, bleiben auch oft stehen und unterhalten sich mit mir. In ihren Augen kann ich zwar oft Mitleid erkennen, aber auch Aufrichtigkeit. Es gibt sogar Leute, die einkaufen gehen und meinen Hunden und mir etwas schenken. Das freut mich sehr.

Freundlichkeit vermisse ich in den meisten Gesichtern – zumindest solange sie mich ansehen – die hier vorbeigehen. Einige rümpfen sogar die Nase, obwohl ich sauber und gepflegt bin, soweit es mir möglich ist.

Dabei halten sie sich für etwas besseres, aber in meinen Augen sind das die wenigsten. Nur weil ich keine Wohnung habe bin ich nicht schlechter. Im Gegenteil, die aufgedonnerte Tussi, die gerade an mir vorbeigeht, steht stundenlang vor dem Spiegel und warum? Damit sie angeblich hübsch ausschaut. Sie hätte besser genauer in den Spiegel schauen sollen und sich wirklich Zeit für sich nehmen sollen. Das ist ein Privileg, dass viele die hier an mir vorbeilaufen, nicht zu schätzen wissen. Keiner achtet auf die bunten Blumen, die sich gerade aus der Erde heraus kämpfen und den Frühling begrüßen. Das wir solche Kleinigkeiten sehen dürfen, dafür sollte man dankbar sein, aber wenn ich mir die Leute hier so betrachte, dann kann ich nur den Kopf schütteln, denn es herrscht nur Hektik und nochmal Hektik.

Ich bin nicht neidisch auf diese Leute – wenn nur auf wenige – diejenigen, die die wirklichen Dinge des Lebens zu schätzen wissen.

Ihr anderen tut mir einfach nur leid. Ihr habt noch weniger wie ich, denn ich habe mich, meine Hunde und die ganze Welt. Deshalb werdet ihr mich immer nur lächeln sehen.

ENDE

Vielleicht habe ich nicht ganz genau das Thema getroffen, aber irgendwie hat mich das an einen mega lieben Obdachlosen erinnert, der bestimmt nicht mehr lebt. Vor über 25 Jahren kam er jeden Tag zu uns ins Sozialamt, um sich sein Tagesgeld abzuholen. War immer freundlich und lustig.  Seine Hunde warteten vor der Tür und waren wirklich lieb.

Als ich eines Tages total mit Akten bepackt aus dem Fahrstuhl kam und durch eine Tür musste, die ich erst noch öffnen musste, wollte.. Toll, ja ich seh mich noch genau davorstehen.

Besagter Mann sprang auf mich zu und riss die Tür auf und fragte mich allen ernstes, ob er mir die Ordner bis zu meinem Zimmer tragen sollte.

Ich hab es verneint, aber mich ganz nett bedankt und er ist mit mir gegangen und hat mir noch meine Tür geöffnet.

Andere Leute, die mich auch gesehen haben, sind einfach weitergegangen. Soviel zu Anstand und Benehmen.

 

Meine anderen Writing Friday Beiträge vom März könnt ihr hier nachlesen:

02.03.21018

09.03.2018

16.03.2018

23.03.2018

LG Sabana

 

 

Weitere Beiträge zum Schmökern

17 Comments

  • Orange Diamond Blog

    Zeit zum Nachdenken. Du hast den Writing Friday benutzt, ich habe gestern ein paar Worte gehört.
    Es sollten viel mehr Menschen sich Zeit nehmen und an andere denken!
    Liebe Grüße an dich! <3
    Alex.

    Users who have LIKED this comment:

  • Sandra

    Hey meine Liebe.
    Ein Thema worüber man wirklich lange schreiben kann. Du hast das absolut toll geschrieben. Wirklich.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

    Users who have LIKED this comment:

  • Sandra

    Wirklich schöner Text, der wirklich zum Nachdenken anregen sollte 🙂 Gutes Benehmen kann man nicht kaufen, hat meine Oma schon immer gesagt 🙂

    Users who have LIKED this comment:

  • nini

    Auch dieses Mal wieder hast Du es sehr schön geschrieben. Ich glaube den Fellnasen geht es auf der Straße oft besser als wenn sie in einer Durchschnittsfamilie leben. Sie sind nicht nur bester Kumpel sonder Vertrauter und für sie wird das Geld eher ausgegeben, als für sich selbst. Ich denke wir Alle sollten nie vor verurteilen und auch Obdachlosen nicht skeptisch gegenüber treten. Liebe Grüße Nini von http://www.mamazeiten.com

    Users who have LIKED this comment:

    • Sabana

      Huhu Nini,

      genau so denke ich auch. In der Großstadt ist es nochmal schlimmer und diese Begegnung damals, war halt in einer kleinen Stadt, in der Obdachlose damals wirklich wie Aussätzige angesehen wurden.

      Dabei ist ein bisschen Freundlichkeit kostenlos und schnell geschenkt.

      LG Sabana

  • Carry

    Der Text lässt sich wirklich toll lesen, gefällt mir sehr gut 🙂 Wie Ina schon sagte, sollte man den Obachlosen viel öfter etwas Gutes tun, da reicht schon ein Lächeln oder nette Worte. Wenn man kein Geld geben möchte kann man sich auch einen Apfel einpacken oder sowas. Kostet nicht viel aber hilft enorm 🙂

    Users who have LIKED this comment:

    • Sabana

      Huhu Carry,

      genau so ist es. Es kostet einen nichts und das ist doch das Wunder. Was mich immer wieder wundert, dass es so viele Leute gibt, die einfach nicht freundlich sein können. Egal ob Obdachloser oder anderer Mitmensch.

      LG Sabana

  • L♥ebe was ist

    wieder eine sehr interessante Aufgabe, die du super gelöst hast … ich finde auch, dass das absolut zur Aufgabe passt! schließlich kann es (leider) jedem so schnell so gehen! ein Lächeln ist einfach die schönste Art uns untereinander zu begegnen und dabei keine Unterschiede zu machen 🙂

    hab einen wundervollen Ostersamstag und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    • Sabana

      Huhu Tina,
      auch dir wünsche ich schöne Ostern.
      Ich mag es einfach, wenn man mit einem Lächeln durch die Gegend geht, aber es wird leider -egal wo -zu selten erwidert.

      LG Sabana

  • Ina

    Das ist aber ein schöner Text den du da geschrieben hast. Das ist ja wirklich auch ein Thema über das man lange schreiben kann und viel diskutieren kann.
    Wie schnell man in eine solche Situation kommen kann ist den wenigstens bewusst, wir sollten den Obdachlosen viel öfter mindestens ein Lächeln schenken.

    Lg aus Norwegen
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code