4. Teil – Marlies Lüer – Interview

Nun ist es soweit und die letzten Fragen und Antworten des Interviews ist eingeläutet.
Ich hoffe, ihr habt genauso viel Spaß beim Lesen wie ich.

 

16. Hast du schon ein nächstes Projekt in Planung?

Eins? Öhm … ich nenne mal nur das, was zeitnah anliegt: Der Lese-Adventskalender 2016 und im nächsten Jahr will ich den dritten Lindenhaus-Band schreiben: Café Mira – Alpakaherzen und Aprikosenglück (der wahrscheinlichste Titel)

 

17. Wie viele Bücher soll deine Reihe erhalten, oder hast du das für dich selbst offen gelassen?

Ich schreibe derzeit an keiner Reihe.

Anmerkung der Redaktion: Aber du schreibst am dritten Lindenhaus-Band.*zwinker*

18. Dein Lieblingszitat ist…

„Herr, dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“

 

19. Ich klaue jetzt einfach mal eine Idee von Klara Bellis (Autorin), die ich auch noch interviewen werde, weil ich dir Idee so klasse finde und sie perfekt für ein spezielles Autoreninterview passt, wie ich persönlich finde.
Schreibe bitte spontan eine kleine Geschichte als Abschluss für unsere Leser. Ich gebe dir 6 Wörter vor. Du hast die freie Wahl.
Entweder:
Magie, Backofen, Berge, Vulkanasche, Streuselkuchen, Feenstaub
Oder:
Nebel, Sommerwind, Messer, Hüpfball, Zombie, Hütte
Die Worte sollten schon irgendwie in der Geschichte verankert sein, dabei ist es unwichtig, ob Einzahl oder Mehrzahl.
Nun sind wir alle gespannt auf deine Kurzgeschichte, die ca. eine halbe DIN A 4 Seite lang sein sollte, darf wenn du magst auch länger sein *smile*

Pellinora rotierte in ihrer Küche. Fieberhaft suchte sie nach einem Backblech, einer Kuchenform, einer Spuckschale – was auch immer! Irgendwas Feuerbeständiges musste doch aufzutreiben sein. Nicht zu fassen, dass sie offenbar nur Weidenkörbchen, versteinerte Blütenkelche und verlassene Bienenkörbe in ihren Schränken vorfand.

Konnte König Dagobertus sich nicht was anderes zum Geburtstag wünschen? Musste es denn unbedingt ein selbstgebackener Kuchen sein? Gänzlich ohne Magie? Überhaupt, dieses „Geburtstag-Feiern“ war eine ausgesprochen seltsame, egozentrische Angewohnheit der Menschen. Als Fee aus Magiyamusa war sie über so etwas selbstverständlich erhaben. War am Leben zu sein nicht Feier genug? Aber jetzt war nicht die Zeit für philosophische Gedanken. Sie musste handeln. Erstens musste sie in Erfahrung bringen, was ein Streuselkuchen war. Zweitens musste sie etwas Feenstaub aus ihren Haaren schütteln und auffangen zur späteren Verwendung. Wurde höchste Zeit, denn ihre Haare waren schon ganz schwer und sie bekam Kopfschmerzen. Einerseits deswegen und andererseits wegen der schwierigen Aufgabe, ihrem alten Freund, dem König von Gwynned, seinen Wunsch zu erfüllen.

Sie eilte nach draußen und schlug den Weg zum Tor ein. Pellinora hoffte, dass es sich immer noch an der alten Weide aufhielt und nicht schon weitergewandert war. Heutzutage war ja auf nichts mehr Verlass! Früher, in der guten alten Zeit, da blieben die Tore zu den anderen Welten an Ort und Stelle. Das waren noch Dienstleister der alten Schule! Aber seit die Torwächter sich gewerkschaftlich zusammengetan hatten (die Idee dazu kam von einem durchgeknallten Zeitreisenden) und auf Freizügigkeit beharrten, war alles etwas schwieriger geworden. Die Fee schnappte sich einen Flügelboten aus der Luft und schrieb in den Flügelstaub ihr Reiseziel ein und schickte ihn zum Weiden-Tor. Inklusive Rückantwort! Schließlich wollte sie nicht den Weg umsonst machen.
Nach einer Weile kam der schmetterlingsähnliche Bote zurück zu ihr. Heute war ihr Glückstag. Der Torwächter hatte bestätigt, das Tor nach Gwynned sei offen und er würde sie erwarten. Wenig später durchschritt sie mit ihren Tippelschritten die Grenze zwischen den Welten. Ihre Kopfschmerzen nahmen zu. Genervt massierte sie ihre Nasenwurzel und den verspannten Nacken. Ob sie wohl sich hier und jetzt vom Feenstaub erleichtern sollte? Auch auf die Gefahr hin, dass die Menschenwelt kontaminiert würde? Sie erinnerte sich allzu gut an das letzte Mal, als sie gegen dieses ungeschriebene Gesetz verstoßen hatte. Die Ameisen des Waldes waren mutiert zu rosa Elefanten. Unwillkürlich grinste sie breit. Es hatte eine halbe Ewigkeit gedauert, ehe sie alle zurückverwandelt hatte. Und sie hatte all ihre Freundinnen zusammentrommeln müssen. Aber – was für ein unterhaltsamer Tag! Bloß die empfindlichen Menschen hatten das nicht so spaßig gefunden, diese Spaßbremsen, diese … Naja, sie wollte das jetzt nicht vertiefen. Sie hatte eine Mission! Stehlen einer Backform aus der nächstgelegenen Hütte. Pellinora warf sich einen Tarnzauber über und tippelte los. Das Weidentor hatte sie in eine alpine Gegend gebracht. Die Berge waren herrlich. Die Fee genoss die Kühle der Luft und den Wind auf der Haut. So etwas gab es in Magiyamusa nicht. Die Temperatur war immer gleichbleibend, und zwar so, wie die Hagedornkönigin es bevorzugte, das Volk wurde gar nicht gefragt.

Pellinora atmete erleichtert auf. In der Hütte, die sie soeben erfolgreich ungesehen betreten hatte, strömte ein unglaublich wohlklingender Duft aus dem Backofen. Leise öffnete sie die Backofentür. Ein Kuchen!!! Eindeutig ohne Magie gebacken. Von draußen drang eine Stimme an ihr Ohr. Die Herrin der Hütte rief ihrer Tochter zu, sie solle den Streuselkuchen aus dem Ofen holen, sie könne riechen, er wäre fertig. Das war ihr Glückstag! König Dagobertus hatte sich genau diese Art Kuchen gewünscht. Ohne moralische Hemmungen griff sie in den Ofen und klaute die Köstlichkeit aus Mehl, Butter und Zucker. Wie gut, dass Feen aus Magiyamusa feuerfeste Hände hatten. Hätte die Bergbäuerin jetzt um die Ecke geschaut, hätte sie gesehen, wie ihr Kuchen durch die Gegend schwebte und nach einer Weile sich mitten in der Luft auflöste. Scheinbar. In Wahrheit hatte er das Weltentor durchschritten. In den Händen einer Fee mit Kopfweh, aber ohne Skrupel.

Pellinora kam hochzufrieden in ihr kleines Reich zurück und deckte im Garten liebevoll den Tisch. Nicht einen Moment zu früh! Dagobertus kam unerwartet früh. Der rundliche alte Herr grüßte seine Feenfreundin herzlich und ließ sich an der Tafel nieder und rieb sich mit Vorfreude seinen dicken Bauch.
Es hätte alles so schön sein können.
Es hätte alles wunderbar laufen können. Aber der dämliche Vulkan im Nachbargarten musste ja unbedingt JETZT Schluckauf bekommen und seine Vulkanasche in der Gegend verteilen. Was den Streuselkuchen mit einschloss.
König Dagobertus lachte vergnügt auf.
„Pellinora, meine Liebe! Was für eine tolle Idee, Vanillezucker regnen zu lassen! So wird der Streuselkuchen erst perfekt. Ich danke dir für dein Geschenk, du hast mir eine große Freude bereitet.“
Sprach’s und biss herzhaft in den Kuchen.
Pellinora lächelte und schwieg.
-ENDE-

(Kürzer ging es nicht, liebe Angi!)

20. Was du schon immer deinen Lesern mit auf den Weg geben wolltest.

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Das waren die 20 Fragen, die ich der Autorin Marlies Lüer stellen durfte und die sie mir offen und ehrlich beantwortet hat. Natürlich gab es auch von ihr eine tolle Geschichte aus meinen vorgegebenen Wörtern. Danke!

Ich hoffe, es hat euch genauso viel Spaß gemacht einen kleinen Einblick in die Autorenwelt zu bekommen, wie mir.

3. Teil Marlies Lüer – Interview

Die nächsten 5 Interviewfragen von mir und die 5 Antworten von Marlies habe ich nun freigelassen. die haben aber auch einen Krach gemacht heute Nacht.

 

11. Frage  — Welche Schriftstellerin würdest du gerne persönlich treffen?

Meine lieben Silberfedern! Immer und immer wieder!
Und dann ist da noch eine ganze Reihe von AutorInnen, die ich von Facebook kenne – ich fang jetzt aber nicht an, die aufzuzählen, weil ich die Befürchtung habe, eine zu vergessen.

 

12. Frage  — Jeder kennt das Spiel. Man gibt ein Wort vor und der Gegenüber antwortet spontan.

Hier meine Worte:

Gummibärchen, Teppich, Zahnschmerzen, Wutanfall und  Zauberwald

Gummibärchen / Bunte Märchen

Teppich / Teppichschaum

Zahnschmerzen / Weia! Bloß nicht dran erinnern! Ich hatte mal eine üble Kieferknochengeschichte … habe die Herr der Ringe Trilogie angeschaut, alle drei Filme, zum Ablenken. Furchtbare zwei Tage!

Wutanfall / (selten – äußerst selten)

Zauberwald / Meine zweite Heimat!!! Zumindest im Geiste.

 

13. Frage  — Wie sieht dein Lieblingsrückzugsort zum Schreiben aus? Dürfen wir ihn sehen? Dann mach
bitte ein Foto für uns – ansonsten beschreibe ihn kurz.

Bitte sehr! Ist allerdings ein älteres Foto. Inzwischen hängen tolle Bilder an der Wand. 🙂 Und den Teppich gibt es nicht mehr.

14. Frage  — Welches Buch liest du aktuell oder hast du zuletzt gelesen?

Ein ganz wunderbares Buch! „TAIM – und der Weg des weißen Tigers“ (von Halo Summer) Sehr spannend, sehr philosophisch! Mein persönliches Lese-Highlight dieses Jahres.

15. Frage  — Schreibe bitte aus deinem aktuellen Buch eine deiner Lieblingsstellen heraus und teile sie mit
uns. Begründe warum du ausgerechnet diese Stelle ausgesucht hast.

Ich habe diese Stelle gewählt, weil der Junge Bolda, bucklig und deprimiert, im tiefsten Grund seiner Seele doch noch Träume hat, an einen Schatz im Inneren glaubt, den er nur heben muss. Wie auch immer. Er spürt, dass er ein wertvoller Mensch ist.

Als er seinen Heimweg fortsetzen wollte, fiel ihm eine Staubwolke weiter vorne an der Biegung zum Waldrand auf, wo der Weg zum Kleindorf führte, wo die Köhlerhütte lag.

Ein Fuhrwerk, heute? Der Kesselflicker war erst in zwei Monaten wieder fällig. Allerfrühestens! Kam etwa fahrendes Volk? Das wäre eine willkommene Abwechslung in der Ödnis seiner Tage. Konnte er wirklich so viel Glück haben? Er wollte so gern den einarmigen Jongleur wiedersehen. Seit er diesen Mann lachend und feixend Bälle werfen gesehen hatte, obwohl er ein Krüppel war, war sein Inneres um einen Gedanken bereichert. Nämlich um den, dass jeder, wirklich jeder, etwas aus seinem Schicksal machen konnte. Allerdings musste er in der folgenden Zeit feststellen, dass Jonglieren doch nicht sein Ding war. Die Rüben waren einfach nicht rund genug dafür. Ja, es hatte wohl an den Rüben gelegen, nicht an ihm. Oder doch? Manchmal, wenn ihm die Arbeit zuwider war, als Vater noch lebte, malte er sich aus, wie er mit den Fahrenden durchbrannte, sich von ihnen mitziehen ließ in ein abenteuerliches, freies, wildes Leben. Er stellte sich vor, dass sie in ihm, in Bolda dem Köhlersohn, etwas sahen, was normale Leute nicht sahen: Etwas Besonderes. Ja, wusste man es denn, ob man nicht doch einen Schatz in sich trug? Einer, der nur entdeckt und nach oben gezerrt werden musste, aus den Niederungen des Alltags?

Er hätte es wissen müssen. Glück war nicht für einen wie ihn bestimmt. Sein Körper reagierte in diesem Moment mit Angst, bevor Auge und Verstand erfassten, wer jetzt wirklich auf ihn zukam.

Das war es wieder für heute. Ich freue mich, euch dann am Samstag den Rest des Interviews zu zeigen. Wie immer dürft ihr gerne eure Meinung kundtun.  Da dies ein Interview der besonderen Art ist, wird natürlich auch noch etwas besonderes stattfinden. Daher kommentiert einfach nett diesen Beitrag, wenn ihr mögt und macht euch bereit für… ja für was? Überraschung!!

 

 

2. Teil Marlies Lüer – Interview

Heute ist es wieder soweit. Ihr dürft die nächsten 5 Fragen und die Antworten lesen.

6. Frage  — Wie bist du auf das neue Thema deines Buches gekommen?

Ich wollte unbedingt mal „was mit Wald“ schreiben. 🙂 Außerdem gibt es da eine skandinavische Sängerin, Eivør, (Schaut mal auf youtube, z. B. „Undo your mind“ und „Trollabundin“. Sie ist die Vorlage für meine Faheeli, das Waldmädchen. Sie ist genauso „wild und frei“ wie diese fantastische Sängerin.

7. Frage  — Würdest du gerne in der Welt leben, die du erschaffen hast, oder nur Urlaub machen?

Wir reden noch vom aktuellen Buch? (Ich habe fast ein Dutzend) In der Kristallseelen-Welt leben? Besser nicht!!!! Es sei denn, ich komme erst nach dem Ende der Geschichte in diese Welt. Dann möchte ich bitteschön beim Waldvolk aufgenommen werden und so ein Baumhaus bewohnen, dass der Baum selber wachsen lässt.

In Magiyamusa („Midirs Sohn“, Drachenschwert-Trilogie) zu leben, hätte auch seine Tücken, obwohl es dort magisch schön ist. Ich denke, ich bleibe lieber, wo ich bin!

Anmerkung der Redaktion: ja, das aktuelle Buch, aber wenn du magst auch die anderen.

8. Frage  — Warum schreibst du unter deinem richtigen Namen und nicht unter einem Pseudonym?

Ich stehe zu jedem einzelnen Wort.

9. Frage  — Wo würdest du gerne einemal eine Lesung machen, wenn du dir es aussuchen dürftest und Geld keine Rolle spielt?

Ähm … Lesung machen? Das wäre purer Stress. Nein, danke. 

10. Frage  — Wie sieht ein typischer Faulenzertag bei dir aus?

Leider habe ich im Lauf der Jahrzehnte verlernt, faul zu sein. Ich wüsste gern wieder, wie das geht. Bis ich das geschafft habe, begnüge ich mich mit Visionen von einer Hängematte im Sommer-Wald, dazu Vogelgezwitscher. Das wäre perfekt.

 

Wie immer, dürft ihr gerne kommentieren und auch hier weise ich nochmal darauf hin: mitmachen lohnt sich! Die nächsten Fragen, die ich Marlies gestellt habe, sind schon in der Warteschleife, flattern ganz aufgeregt und möchten losgelassen werden.

LG Sabana