2. Teil Klara Bellis – Autoreninterview

Heute bekommt ihr den zweiten und letzten Teil des Interviews mit Klara Bellis von mir.

Damit ihr auch gleich eine aktuelle Leseprobe habt, dürft ihr euch auf ihre wundervolle Kurzgeschichte freuen.

Das Warten hat sich gelohnt, denn auch die Antworten auf meine Fragen sind … aber lest selbst.

 

11. Frage — Welche Schriftsteller/in würdest du gerne persönlich treffen?

Douglas Adams und Terry Pratchett. Sie sind leider beide schon tot. Da muss ich also noch ein bisschen warten.

 

12. Frage — Jeder kennt das Spiel. Man gibt ein Wort vor und der Gegenüber antwortet spontan.

Hier meine Worte:

Hitzefrei: Au ja! Das wäre was.

Hund: Die müffeln und sabbern.

Eiszeit: Schade, dass die Mammute und Säbelzahntiger ausgestorben sind.

Drachen: Es ist schon besser, dass es sie nur im Märchen gibt.

Familie: Geborgenheit, Inspirationsquelle und Zeitfresser

 

13. Frage — Wie schaut dein Lieblingsrückzugsort zum Schreiben aus?

Dürfen wir ihn sehen, dann mach bitte ein Foto für uns, ansonsten beschreibe ihn kurz.

So einen Ort habe ich im Moment nicht. Mein Arbeitszimmer ist zu einer Abstellkammer für Baumaterial und nicht mehr gebrauchte Riesenkartons mutiert. Mir fehlt im Moment der Schwung, dort mal ein oder zwei Tage lang klar Schiff zu machen. Außerdem würde dafür zu viel Schreibzeit draufgehen. Ich sitze deshalb immer an dem Platz im Haus, der gerade frei ist. Meistens ist es der Esstisch im Wohnzimmer. Oft liegt Kater Schrumpel direkt neben meiner Hand und halb auf der Tastatur.

 

14. Frage — Welches Buch liest du aktuell oder hast du zuletzt gelesen?

Wieland Freund: „Träume niemals von der Wilden Jagd“. Eigentlich hatte ich es meinem Kind vorgelesen. Das hat leider nicht zugehört, weil es wohl noch zu jung dafür ist. Ich mag die Schreibe des Autors sehr.

 

15. Frage — Schreibe bitte aus deinem aktuellen Buch, eine deiner Lieblingsstellen heraus und teile sie mit uns und begründe, warum du ausgerechnet diese Stelle ausgesucht hast.

Die Stelle ist aus meinem aktuellen Projekt, dem 2. Teil von „Trywwidt“. Sie gehört zu einem Kapitel, in dem ich zwei verschiedene Lebenswelten aufeinanderprallen lasse. Einmal die der Elfen, die in meiner Geschichte sehr naturbezogene Wesen sind, mit einer fast schon religiösen Achtung vor allem, was lebendig ist. Und dann die Unbedarftheit der Menschen, die einfach ihre Umwelt und sämtliche Lebewesen ausbeuten, ohne sich Gedanken oder gar ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Textstelle ist mir insofern wichtig, da „Trywwidt“ ein Stück weit von der Toleranzfähigkeit unterschiedlicher Wesen lebt, die in der Geschichte aufeinandertreffen und miteinander auskommen müssen.

Vielleicht sollte sie sich doch so ein Bett kaufen. Trywwidt rekelte sich auf der Matratze und kuschelte sich noch tiefer in die Kissen. Die Mittagsmüdigkeit forderte ihr Recht. Nur das grelle Licht nervte etwas.
„Ira, kannst du mal das Licht ausknipsen? Ich will ein Stündchen schlafen.“ Trywwidt gähnte laut und lange.
„Sag mal, spinnst du? Das hier ist ein Möbelhaus. Du kannst dich hier nicht einfach ins Bett legen und schlafen.“
Die begriffsstutzige Menschenfreundin schien nicht zu verstehen. Sie zerrte die Bettdecke weg und ruckelte unsanft an Trywwidts Schulter.
„Komm, los! Wir gehen ins Restaurant was essen. Ich freue mich schon den ganzen Tag auf die Köttbullar.“
„Köttbullar? Klingt exotisch. Was ist das?“ Widerwillig setzte sich Trywwidt im Bett auf.
„Kleine Fleischklopse. Aus Schweinefleisch mit …“
„Was! Das willst du allen Ernstes essen? Ira, du bist so grausam. Eure ganze Welt ist so …“ Trywwidt würgte es im Hals. Sie presste die Hand auf den Mund, kämpfte gegen den Brechreiz an. „Du kannst doch nicht zerstückelte Tiere essen. Tiere, die ein Ich-Bewusstsein haben. Du bist viel schlimmer als Korwin.“
Der Vampir ließ sein Essen wenigstens am Leben. Zumindest im Normalfall, das hatte er ihr längst erklärt. Aber was Ira vorhatte, was sie und ihresgleichen jeden Tag taten, das überstieg die Toleranzfähigkeit einer Durchschnittselfe.
„Äh. Ich … kann ja auch Salat essen. Oder einen Kartoffelauflauf. Du natürlich auch. Ich lade dich selbstverständlich ein.“ Ira lächelte versöhnlich.
Sie verstanden einfach nicht, diese grausamen Menschen.
„Salat und Kartoffeln sind also keine Lebwesen? Da hab ich wohl damals im Botanikunterricht geschlafen? Und so eine dumme Dohle wie ich ist auch noch Hüterin der Pflanzen geworden!“

 

16. Frage — Hast du schon ein nächstes Projekt in Planung?

Jain. Ein bisschen bereite ich nebenher den 3. und letzten Band zu „Trywwidt“ vor. Andere Ideen verfolge ich nicht parallel, da ich immer nur an einem Projekt arbeiten kann und will.

 

17. Frage — Wie viele Bücher soll deine Reihe erhalten, oder hast du das für dich selbst offen gelassen?

Es werden insgesamt drei Bücher, wobei jedes möglichst abgeschlossen sein soll, Also kein ganz schlimmer Cliffhanger am Ende, bei dem man denkt, es wäre mitten in der Geschichte Schluss.

 

18. Frage — Dein Lieblingszitat ist…

Da gibt es so einige. Ganz besonders mag ich Zitate von Mark Twain. Manchmal denke ich, der muss mich gekannt haben. Z.B. „Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.“ Das beschreibt fast schon mein halbes Leben.

 

19. Frage —Ich klaue jetzt einfach mal eine Idee von dir, weil ich die  so klasse finde

und sie perfekt für so ein spezielles Autoreninterview passt, wie ich persönlich finde.
Schreibe bitte spontan eine kleine Geschichte als Abschluss für unsere Leser.

Ich gebe dir 6 Wörter vor. Du hast die freie Wahl.
Entweder:
Magie, Mond, Elfen, Einhorn, Vodoo, Badelatschen
Oder:
Vampir, Kobold, St. Helena, Tümpel, Kröten, Regenwurm
Die Worte sollten schon irgendwie in der Geschichte verankert sein, dabei ist es unwichtig, ob Einzahl oder Mehrzahl.
Nun sind wir alle gespannt auf deine Kurzgeschichte, die ca. eine halbe DIN A 4 Seite lang sein sollte, darf wenn du magst auch länger sein *smile*

Magischer Mond

„Die Magie des Mondes. Was für ein Quatsch!“ Suzanne schaute in den Nachthimmel. „Der Mond ist ein Felsklumpen im All. So magisch wie ein Paar Badelatschen.“
Lisa sah das anders. Suzannes beste Freundin glaubte an Geister, an Aliens, sogar an Chemtrails. Ihr aktuellster Flitz hieß Voodoo. Im Internet hatte sie die Anleitung für eine – angeblich – funktionierende Voodoo-Puppe gefunden. Lisa brannte darauf, den ersten Test mit der Magie des Vollmonds zu starten.
Die soll mal lieber für den Mathetest lernen.
Längst stand Lisas Opfer fest: Herr Valerian, der Vertretungslehrer für Mathematik.
„Anathael Valerian“, flüsterte Suzanne und ihr Herz pochte wie verrückt.
Suzanne lief mit schnellen Schritten durch die nächtliche Stadt. Im Geiste lächelten sie violette Augen an, die mondhell leuchteten. Silberfarbenes Haar umrahmte das ebenmäßige Gesicht des Lehrers. Dabei zählte er höchstens fünfundzwanzig Jahre.
Eines dieser Silberhaare hatte gestern Vormittag auf Suzannes Platz gelegen, nachdem ihr Herr Valerian bei der verzwickten Integralrechnung geholfen hatte. Um Lisa zu veräppeln, hatte sie es großzügig für die bescheuerte Voodoo-Puppe gespendet. Und Lisa? Einen Freudentanz aufgeführt hatte die – wegen eines einzigen Haars.
Oh Mann, Lisa. Wie kannst du nur an so einen Blödsinn glauben?
Herr Valerian vertrat die kränkliche Frau Mücke, die ausgerechnet im letzten Schuljahr vor dem Abi ausfallen musste. Zum ersten Mal in ihrem Leben blickte Suzanne in Mathe durch. Im Gegensatz zu Lisa, die felsenfest davon überzeugt war, ihr Abi gegen den Baum zu fahren. Dabei schwänzte Lisa Mathe rein aus Prinzip.
Suzanne schimpfte leise vor sich hin und legte einen Zahn zu. Nachts um halb zwei allein durch die Stadt zu stromern, das war definitiv ihre schlechteste Idee seit Langem. Normalerweise mied sie um diese Zeit die Abkürzung durch den Südpark. Leider war es nach der Party bei Lisa zu spät für einen Umweg und sie zu pleite für ein Taxi. Kein Wunder, hatte sie doch das ganze Taschengeld – trotz meterhohem SuB* – in Fantasyromane investiert. Suzanne schluckte gegen das mulmige Gefühl an und betrat den nachtschwarzen Park.
Das Unheil kam wie aus dem Nichts. Ein Rascheln im Gebüsch. Etwas packte Suzanne am Fuß. Vor Schmerz schrie sie auf, ruderte mit den Armen, taumelte und fiel der Länge nach zu Boden. Eine Pranke umklammerte ihr Fußgelenk und zerrte sie in die Schatten der Sträucher. Suzanne krallte sich an allem fest, was ihre Finger erwischen konnten: Äste, Zweige, Grashalme – vergeblich. Der Angreifer riss sie mit sich fort. Ihre Hilfeschreie verhallten ungehört in der Nacht.
Jetzt verbiss sich das, was auch immer sie überfallen hatte, mit einem dunklen Knurren in ihrem Bein. Vor Schmerzen flackerten Sternchen vor Suzannes Augen auf. Kurz bevor ihr die Sinne schwanden, hörte sie ein anderes Geräusch: ein Schnauben wie von einem Pferd. Hufe donnerten über den Boden. Ein Wiehern ertönte und etwas Gleißendes zischte an ihr vorbei. Schrill kreischte das schattendunkle Ding auf und mit einem Mal verstummte es abrupt. Im selben Augenblick gab es Suzannes Bein frei, die Schmerzen ebbten ab
„Gerade noch rechtzeitig“, sagte eine vertraute Stimme.
Suzanne rappelte sich auf.
„Nein! Was …?“
Der Schock musste sie um den Verstand gebracht haben: Herr Valerian in der Kluft eines Jägers aus einem Fantasyroman. Verdutzt schaute sie in die mondhellen Augen ihres Lehrers.
Geschmeidig glitt er vom Pferd, dessen Fell wie frisch gefallener Schnee schimmerte. In der Hand hielt er einen Bogen, auf seinem Rücken ein Köcher mit Pfeilen aus purem Licht.
„Das muss unser Geheimnis bleiben“, sagte Herr Valerian und reichte Suzanne die Hand. Mit einem sanften Ruck zog der Lehrer sie vom Boden hoch. Suzannes Knöchel schmerzte, doch es gelang ihr, ohne Hilfe zu stehen.
„Verfluchte Schattenkriecher. Beinahe hätten sie dich erwischt.“
„Schattenkriecher …?“ Suzanne starrte das Pferd an, auf dessen Stirn ein gewundenes Horn wuchs. „Ein Einhorn …?“
„Ja! Und ich bin ein Elf.“ Er schmunzelte und tippte sich an sein – erstaunlich spitzes – rechtes Ohr. „Lach jetzt bloß nicht: Ich bin ein magisches Wesen.“ Das Einhorn wieherte unwillig. „Ist ja gut Nebelwind, du bist auch ein magisches Wesen.“ Er tätschelte dem Pferd – nein, dem Einhorn – den Hals und zwinkerte Suzanne aufmunternd zu. „Mein Volk jagt die Schattenkriecher seit ewigen Zeiten. Sie verpesten eure Welt mit Hass und Gewalt.“ Abermals reichte er Suzanne die Hand. „Komm, steig auf! Nebelwind und ich, wir bringen dich nach Hause.“
Bevor Suzanne zum zweiten Mal in dieser Nacht Herrn Valerians Hand ergreifen konnte, zuckte der Elf zurück. Sein Antlitz verzerrte sich zu einem Ausdruck unvorstellbaren Schmerzes. Rasend schnell breitete sich in Höhe des Herzens ein dunkler Fleck auf seinem Hemd aus. Mit einem letzten Stöhnen sackte er in sich zusammen und fiel zu Boden. Das Einhorn legte die Ohren an. Panisch wiehernd rannte es davon.
„Herr Valerian!“, schrie Suzanne. Etwas tief in ihrem Inneren zersplitterte. Ein Tränenschleier nahm ihr die Sicht, als sie sich über den Leichnam des Elfen beugte. Metallischer Blutgeruch stach ihr in die Nase.
Ich lass mir nicht das Abi versauen, erinnerte sie sich an Lisas Worte wie an einen bösen Traum. Heute Nacht, da mache ich den Freak alle.
Vor ihrem inneren Auge sah sie die Freundin mit einer Nadel in der Hand. Triumphierend hielt sie die Voodoopuppe in die Höhe, an der ein Haar silbrig schimmerte.
——–
*SuB: Stapel ungelesener Bücher – ein literarisches Mahnmal, das in fast jedem Haushalt zu finden ist, in dem ein Bücherwurm lebt.

Verzapft von: Klara Bellis

 

20. Frage — Was du schon immer deinen Lesern mit auf den Weg geben wolltest.

Liebe Leserinnen und Leser meiner Bücher! Ich hoffe, ihr hattet ein paar vergnügliche Lesestunden mit meinen Texten. Wenn es euch gefallen hat, freue ich mich über eine Rezension im Webshop eures Vertrauens. Das gilt übrigens für so ziemlich alle Autoren und Autorinnen, die ich kenne. Rezensionen sind für unsere Bücher wie Dünger. Sie werden dadurch ein bisschen größer und sichtbarer und auch interessanter für andere Leser.
Viel Spaß beim Lesen
Klara Bellis 🙂

 

Danke liebe Klara für dieses Interview und die wundervolle Geschichte, die auch ein bisschen zum Nachdenken anregt. Jedenfalls geht es mir so. Man sollte nicht leichtsinnig mit Magie oder Vodoo, ganz egal ob in einer Geschichte oder im realen Leben. Vielleicht ist das ja schon ein kleiner Plot für deine nächste Geschichte *zwinker*

Wie immer dürft ihr liebe Grüße hinterlassen, wenn ihr mögt. Auch Kritik oder Anregungen sind erwünscht.

 

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